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Ab jetzt als Tandem

Alaaf aus Kölle!

Fünf Monate sind nun seit unserer Ankunft in Deutschland vergangen. Fünf Monate, in denen für uns beide unglaublich viel passiert ist, obwohl eigentlich viel weniger los war als in der Zeit davor. Ankommen ist gar nicht so einfach… Aber der Reihe nach:

Nach einer kurzen Nacht im Flugzeug landeten wir früh morgens in Düsseldorf. Bei der Passkontrolle blätterte der Beamte unsere Pässe durch und bemerkte trocken, dass er unser Visum nicht finden könnte. Leicht verwirrt sahen wir ihn an. Er meinte: „Na ja, als Kölner bräuchten wir schon ein Visum für Düsseldorf.“ Nachdem wir ihm versicherten, dass wir nur auf der Durchreise sind, ließ er uns lachend ziehen. Zuvor jedoch drückte er uns noch einen Einreisestempel in den Pass.

Ein letztes Mal bauten wir die Räder zusammen, luden die Taschen auf und hinaus ging es, hinaus nach Deutschland. Die deutsche Luft war kühl und feucht. Es war ein typisch grauer Herbstmorgen. Unser erstes Ziel war eine Bäckerei. Auf frische leckere Brötchen freuten wir uns nun schon seit fast einem Jahr. Unterwegs blickten wir uns immer wieder irritiert an, wenn wir an anderen Leuten vorbei fuhren und bemerkten, dass diese sich auf Deutsch unterhielten. Wir konnten uns gerade noch bremsen, sie jedes Mal anzusprechen und zu fragen, wo sie denn herkämen. Die Brötchen aßen wir direkt am Rhein und sie schmeckten phantastisch!

Gestärkt ging es dann auf unsere letzte Etappe: immer am Rhein entlang, nach Köln, nach Hause. Gut gelaunt und alles bestaunend fuhren wir los. Doch bald schon mussten wir feststellen, dass wir mit unserer guten Laune ziemlich alleine da standen. Die meisten Leute, die wir fröhlich grüßten, schauten uns nur irritiert an oder blickten weiter starr zu Boden. Wir kamen mit niemandem ins Gespräch, lächelnde Gesichter waren kaum zu entdecken. Das verstörte uns, waren wir doch ganz anderes gewöhnt!

In Neuss rettete dann Alex unseren ersten Tag zurück in Deutschland. Wir mussten den Rhein verlassen und einmal quer durch die Stadt fahren. Dabei begegneten wir Alex. Er lebt in Neuss, war gerade mit seinem Rad unterwegs und ist selbst begeisterter Reiseradler. Er sah uns an, betrachtete unsere bepackten Räder und bot sich direkt an, uns durch die Stadt zu lotsen. Dabei kamen wir natürlich ins Gespräch. Auf die Frage, wo wir herkämen, antworteten wir nur: „Vom Düsseldorfer Flughafen und wollen nach Köln.“ Etwas verwundert blickte er auf unser großzügiges Gepäck.

Im Verlauf der Neusser Stadtdurchquerung knackten wir die 15.000km-Marke. Wir freuten uns und das bekam natürlich auch Alex mit. 15.000 Kilometer! Er konnte es kaum glauben und als wir ihm auch noch erzählten, wie diese Kilometer zustande gekommen waren, war er begeistert und richtig gerührt. Seine Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit, Begeisterung und Faszination hob unsere Stimmung enorm. Danke Alex!

Dann näherten wir uns langsam Köln. Plötzlich tauchte über weite Felder hinweg aus dem grauen Nebel der Dom auf. Zu Hause war plötzlich ganz nah! Dann ging es Schlag auf Schlag! Wir fuhren wieder auf bekannten Wegen, das Kölner Ortseingangsschild tauchte auf, wir sahen ein erstes bekanntes Gesicht und dann waren wir auch schon mitten in der Stadt. Alles fühlte sich direkt wieder sehr vertraut an.

Über die Domplatte fuhren wir zum Hyatt. Dort hatten wir für unsere erste Nacht ein Zimmer reserviert. Purer Luxus erwartete uns: unsere 12 Taschen wurden auf unser Zimmer gebracht, es gab kuschelige Frottee-Bademäntel und Pantoffel, wir hatten ein riesiges Badezimmer, größer als unser Zelt, Room-Service und ein unglaublich großes und bequemes Bett.

Doch erst einmal wollten wir in die Stadt. Als Tourist in der eigenen Stadt schlenderten wir über die Hohenzollernbrücke zum Dom und durch die Altstadt. Im Dom zündeten wir als Dank für unsere gesunde Rückkehr ein Kerzchen an und im Peters Brauhaus frönten wir den kölschen Köstlichkeiten. Müde und zufrieden fielen wir in unser Bett, gespannt, was uns der nächste Tag bringen würde.

Nach einem gemütlichen Frühstück, das uns der Zimmer- Service quasi am Bett servierte, erkundeten wir den Wellness- und Saunabereich. Ein perfekter Start in den Tag!

Bei schönstem Sonnenschein beluden wir ein letztes Mal die Räder und schwangen uns in den Sattel. Nur ein paar Kilometer trennten uns noch von Familie und Freunden. Langsam rollten wir Richtung Brück, aufgeregt und voller Vorfreude. In der Wiehler Straße vor dem Haus Nummer 43 erwarteten uns Menschenmassen, viele waren gekommen, um uns zu begrüßen. Und nachdem wir das Zielbanner durchfahren hatten, fielen wir endlich unseren Eltern, Verwandten und Freunden um den Hals. Wir waren wieder da!

Aber wirklich ankommen war gar nicht so einfach. Nach einer schönen und gelungenen Welcome-Party kehrte dann irgendwann Ruhe ein. In den ersten Tagen und Wochen unternahmen wir sehr viel, doch sobald wir zu Hause waren, konnten wir mit uns und unserer Zeit nichts anfangen. Wir kamen uns häufig eingesperrt vor und vermissten einfach, draußen zu sein. Eigentlich selbstverständliche Dinge funktionierten nicht mehr: So ging Yvonne z.B. zwei Wochen lang immer ohne Schlüssel aus dem Haus bis sie endlich begriffen hatte, dass sie so etwas wieder brauchte. Thomas hingegen räumte alles auf und weg, bevor er das Haus verließ. Ihm war offensichtlich nicht ganz klar, dass unsere Wohnung kein freier Raum war, so wie der Platz um unser Zelt herum.

Gedanklich war die Tour schnell ganz weit weg, so viel 'Neues' stürmte auf uns ein. Und dann plötzlich war sie wieder ganz nah, und schmerzlich vermissten wir das Gefühl, frei und unterwegs zu sein. Ja, ankommen war wirklich schwieriger als wir erwartet hatten.

Doch dann kam der Winter und mit ihm die Weihnachtszeit. Wir freuten uns über jede Schneeflocke und die kalte Luft und nahmen alles an Weihnachtlichem mit, was wir konnten; vom Adventskalender bis hin zum Zimtstern.

Jetzt, nach fünf Monaten, können wir sagen: „Wir sind nicht nur wieder da, sondern auch angekommen.“ Und wir blicken gerne und glücklich auf ein phantastisches Jahr voller schöner Erlebnisse, spannender Geschichten und interessanter Menschen zurück.

Bedanken möchten wir uns insbesondere bei unseren Eltern, die uns von zu Hause aus zu jeder Zeit tatkräftig unterstützt und uns so vieles erleichtert haben.

Ein herzlicher Dank geht natürlich auch an alle Spender. Wir hatten viel Spaß mit euren schönen Ideen und jeder von euch ist auf diese Weise ein Stück mit uns mitgefahren. Insgesamt habt ihr 2.620,44 Euro für die Kinderhilfe International gespendet. In den nächsten Wochen werden wir zusammen mit der Hilfsorganisation entscheiden, welches Projekt wir mit euren Spendengeldern unterstützen möchten.

Vielen, vielen Dank!

Schön, dass ihr alle uns in diesem Jahr auf unserem Weg begleitet habt! Bis zum nächsten Mal… Vielleicht irgendwann, irgendwo…

 Thomas & Yvonne

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